In Südamerika

Unser Reiseblog

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Nachtrag: Peninsula Valdez

Peninsula Valdez war unser nächstes Ziel, ein Naturschutzgebiet auf einer Halbinsel an der argentinischen Küste. Eigentlich liegt es ziemlich in der Pampa, nur die kleineren Industriestädte Puerto Madryn und Trelew sind in der Nähe. Trotzdem legen dort regelmäßig Kreuzfahrtschiffe an, denn die Halbinsel ist ein perfekter Ort um viele Meeresbewohner aus nächster Nähe zu beobachten. In den flachen Gewässern der Bucht bringen zwischen Oktober und Dezember unglaublich viele Südkaper, eine Walart, ihre Jungen zur Welt und bringen ihnen das Schwimmen und Springen bei. Leider haben wir die Walsaison durch unseren Zwangsstopp in Curitiba knapp verpasst… Aber dafür gab es viele Pinguine, die direkt an der Küste entspannt in der Sonne lagen. Und zwar wirklich direkt vor unseren Füßen, man hätte sie anfassen können, so nah waren sie und das ganz ohne Scheu.

Die Halbinsel ist zimlich groß und es gibt nur eine handvoll Schotterpisten über das Gelände, dadurch verteilen sich die Touristen ziemlich gut und deshalb waren wir häufig alleine an den Aussichtspunkten. Neben den Pinguinen haben wir auch viele Robben und Seelöwen gesehen, die sich während ihrer Machtkämpfe drohend angegröhlt haben, nur um Sekunden später wieder auf der faulen Haut zu liegen, wie die meiste Zeit. Zwischen den wuchtigen Männchen haben wir dann kleine schwarze Heuler entdeckt, die laut rufend ihre Mutter gesucht haben. Die Kleinen waren teilweise erst wenigen Stunden alt, wie wir an den Blutflecken auf den Felsen erkannt haben. Hier sind leider unsere letzten Fotos entstanden… Glücklicherweise habe ich zwischenzeitlich meine Speicherkarte gewechselt, dadurch sind wenigstens ein paar Bilder noch erhalten. Leider nicht die besten, da ich hauptsächlich mit Moritz‘ Kamera und meinem Objektiv fotografiert habe. Ich hatte noch coole Fotos von den Robben, die von den Klippen ins Wasser gesprungen sind, aber die sind leider alle weg… Ebenso wie unseren einzigen Fotos von Orcas, die Moritz in paar Kilometer Entfernung entdeckt hat, während ich leider einem Gürteltier hinterhergelaufen bin… Pech gehabt, den wir haben hauptsächlich auf die Orcas gewartet, die man, wenn man Glück hat, sogar bei der Jagd auf die Robben am Strand aus geringer Entfernung beobachten kann. Die riesigen schwarz-weißen „Killerwale“ lassen sich dafür während der Flut bis auf den Sand spülen, da die Robben an Land ziemlich träge und so leichte Beute sind. Der Spitzname „Killerwal“ beruht übrigens auf einem Übersetzungsfehler. Ursprünglich wurden sie bei der Jagd auf Wale beobachtet und dann als „whale killer“ bezeichnet, was dann umgedreht und der Sinn verdreht wurde. Eigentlich zählen Orcas nämlich zu den Delfinen.

Ansonsten konnten wir noch jede Menge Flamingos sehen, die allerdings wegen Ebbe weit entfernt standen. Quer durch den Park liefen viele Lamas, Schafe und Strauße mit ihren Jungtieren und es gab zwei riesige Salzseen mittendrin.

Nach drei Tagen auf der Halbinsel haben wir dann beschlossen nicht noch einen weiteren Tag auf die Orcas zu warten sondern stattdessen in Puerto Madryn unser Auto durchzuchecken und die obligatorischen Dinge wechseln zu lassen. Im Nachhinein ist es einfach zu sagen „hätte, wäre, wenn“, vielleicht hätten wir unsere Kameras noch wenn wir anders entschieden hätten. Das wissen wir natürlich nicht, aber trotzdem denke ich manchmal es war die falsche Entscheidung und wir hätten einfach einen Tag länger warten sollen.

Nachtrag: Papageien über Papageien

Von Buenos Aires sind wir in zwei Tagen knapp 1000km bis in den kleinen Küstenort El Condor gefahren. Der Ort selbst war nicht wirklich interessant, dessen Steilküste aber umso mehr. Hunderttausende Papgeien haben sich dort in der löchrigen Felswand niedergelassen und flogen krächzend in kleineren und größeren Gruppen an der windigen Küste auf und ab. Mit dem Sonnenuntergang nahm das Spektakel noch mal zu, aber von anderen Reisenden hatten wir gelesen, dass das kein Vergleich sei zum Sonnenaufgang. Also stellten wir uns wohl oder übel den Wecker auf 5:45 Uhr und übernachteten direkt an der Steilküste. Allerdings wohlweislich oben auf einem Parkplatz anstatt direkt am Strand, denn bei Flut verschwindet dieser vollständig… Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen über dem Horizont erschienen, stand Moritz gut eingepackt und mit der Kamera bereit, wohingegen ich es vorgezogen habe, den Papgeien aus dem warmen Bett nur durch die geöffnete Autotür zuzuschauen. Es hat sich wirklich gelohnt und war sehr eindrucksvoll, diese absurd riesige Anzahl an Papageien in Aktion zu sehen. Die komplette Küste entlang sah (und hörte) man nur Papageien fliegen und den neuen Tag begrüßen. Leider wissen wir gar nicht, welche Papageienart das genau war; es waren auf jeden Fall nicht die kleinen grünen, die wir schon oft gesehen haben. Also falls ein Papageienexperte unter euch ist sind wir um Aufklärung dankbar.

 

Nachtrag: Wildes Wetter

Auf der Fahrt von Buenos Aires Richtung Süden sind wir wieder hauptsächlich durchs flache Land gefahren, aber diesmal folgte statt unberührter Pampa ein riesiges Weizenfeld direkt auf das nächste und bis zum Horizont konnte man nichts anderes sehen.

Aber das eigentlich Beeindruckende auf der Fahrt war das Wetter: Wir wurden von mehreren Wolken-Bändern quasi „überrollt“. In regelmäßigen Abständen sind diese tiefhängenden Walzen wie Wellen über das flache Land gezogen und brachten heftigen Wind, Regen und eisige Temperaturen mit sich. Kaum waren wir einige Minuten später unter der Front durchgefahren strahlte uns wieder die Sonne entgegen und wir hatten freien Blick auf alle möglichen anderen Wolkenformen am Horizont. Insgesamt hing der ganze Himmel unglaublich dicht über dem Boden. Die einzelnen Walzen die etwa alle zehn Minuten kamen waren vielleicht 100 Meter über uns. An dem Tag sind wir hauptsächlich mit offenem Mund und Blick aus dem Fenster gefahren.

Abschied von Feuerland

Dies ist der letzte Beitrag zu der Insel tief im Süden, auf der wir insgesamt zehn Tage verbracht haben. Nachdem wir ganz im Norden auf chilenischem Gebiet gestartet sind und dann die argentinische und die chilenische Hälfte Feuerlands jeweils
bis ganz ans südliche Ende gefahren sind, hatten wir viel von der Vielfalt dieser Insel gesehen. Und so hieß es dann langsam die Weiterfahrt planen. Da wir nicht wieder den selben Weg zurück fahren wollten, haben wir diesmal die längere Fähre gewählt, die Feuerland im Westen verlässt und nach etwa zwei Stunden auf chilenisches Festland trifft. Vorher konnten wir noch dem Parque Pinguino Rey einen Besuch abstatten, auf dessen Gebietes sich etwa 30 Königspinguine niedergelassen haben. Ziemlich ungewohnt mitten im Grünen statt im Schnee oder auf Fels, aber mit einem kleinen Fluss neben dran und direktem Zugang zum Meer. Der Wind war dort wieder sehr stark, sogar so heftig, dass Fotos schießen ohne Auflage der Kamera nahezu unmöglich waren..

Auf der Fähre hatten wir dann das Glück beim Auslaufen aus dem Hafen zwei interessierte Delfine zu sehen, die ein paar Minuten lang mit der Fähre mitgeschwommen beziehungsweise gesprungen sind. Das war wirklich toll, ich habe das vorher von andern schon gehört und so darauf gehofft, dass wir auch welche sehen. Glück gehabt und ein schöner Abschied von Feuerland!

Zwei Seiten

Feuerland ist zwei geteilt. Einerseits in zwei Länder, andererseits in zwei Landschaften. Es gibt die ausgedehnte Pampa und eben die Berge, in denen es Wasser im Überfluss und unberührtes Grün gibt.

Um den Touristenströmen etwas zu entgehen sind wir über den unbefestigten der beiden Grenzübergänge auf Feuerland gefahren. Mitten im Nirgendwo an einem kleinen Fluss kommt da also auf der Kiesstraße dann eine Schranke. Im übrigen der erste Grenzübergang, der tatsächlich eine Schranke hat. Hier kann man nur in den Sommermonaten zwischen den Ländern wechseln weil er etwas südlicher als die Hauptstraße liegt, eben nicht befestigt ist und doch recht nahe an den Ausläufern der Anden liegt. Die Leute dort waren unglaublich nett und als wir uns in das große Buch, dass den Computer an den anderen Grenzen ersetzt eingetragen haben, konnte man auch sehen warum: Mehr als zwei Autos pro Tag kommen da nicht vorbei.

Nach der Grenze fährt man dann wieder durch so einen spooky Wald wie es die hauptsächlich auf der Insel gibt und dann haben wir noch auf der chilenischen Seite in einem kleinen Abstecher in die Berge gemacht. Hier trifft man dann kaum noch jemanden und es war wirklich hübsch überall, bis wir über den ersten Pass gefahren sind. Es hatte den Tag vorher geregnet und unser Auto war bis etwa einen Meter hoch mit einer ganz feinen und ganz gleichmäßigen Schicht grauem Schlamm bedeckt. Auf diesem Pass hatte man einen Ausblick wie ich ihn noch nie gesehen habe und es kommt leider nur wenig in den Fotos davon rüber. Ich bin ein paar Meter abseits der Straße gelaufen und hatte einen Ausblick in ein Tal in dem sich silbern ein kleiner Fluss in einem Moor geschlängelt hat. Darüber standen Schwarz die mächtigen Berge mit einem Harten weißen Kontrast aus Schnee an den Spitzen. Dort hätte ich Stunden sitzen können und nur in die Landschaft schauen.

Wir sind dann natürlich trotzdem noch weiter gefahren und haben am Abfluss des Lago Fagnano geschlafen. Auf unserer Karte auf der Nicola akribisch jeden unserer Schlafplätze markiert erkennt man, dass wir an beiden Enden des Sees geschlafen haben, allerdings kann man nicht von einem zum anderen Ende schauen.

Am Tag darauf haben wir dann auch hier das Ende der Straße erreicht, einkleiner Outpost am Wasser, die Gletscher darüber in den Bergen und ein alter rostiger Kessel, wie die hier an vielen stellen liegen. Von dort an machen wir uns auf den Weg von der Insel runter.

Im Gänsemarsch

Nicola wandert nicht so gerne. Ich eigentlich schon, leider haben wir nicht so viel dabei. Ich habe keine richtigen Wanderschuhe und wir haben nur einen kleinen Rucksack. Trotzdem will ich immer mal wieder ein bisschen hier wandern, mehr spazieren gehen, weil man vieles der spektakulären Natur nur zu Fuß bewundern kann. Um Ushuaia rum ist das aber leider grauenhaft. Eigentlich ist es traumhaft schön. Eisblaue Seen,  Hochmoore mit verwundenen Bächen, Biberdämme… Und viele Menschen.

Der Weg zur Laguna Esmeralda ist einer der eher bekannte hier unten und als wir auf der Herfahrt am Wochenende vorbei kamen standen an der Straße über Kilometer die Autos weil der Parkplatz voll war. Wir kamen dann dienstags wieder und der Parkplatz war nicht komplett voll, also bin ich los. Die Wanderung dauert hin und zurück etwa 3 Stunden und führt durch zwei Hochmoore auf verschiedenen Höhen, vorbei an einem der Großen Biberdämme bis eben hin zur Laguna. Es gibt zwar eine gewisse Markierung des Wegs aber keine echte Begrenzung. Trotz dessen, das es unter der Woche war, hat man immer Menschen vor und hinter sich gesehen und diese Massen bleiben nicht immer auf den wegen. In dem zweiten Moorstück fehlt dann auch noch die Markierung weil man ja sieht wo man hin will, sodass sich hunderte breiter Trampelpfade durch die Landschaft pflügen und damit das Moor nahezu vollständig zerstören.

Oben am eigentlichen See hatte ich die wohl einzigen fünf Minuten Sonne dort, dann hat es angefangen zu schneien. Alles in allem war die Wanderung also schon schön, aber es hat einem auch immer wieder das Herz geblutet bei all der Zerstörung. In Argentinien gibt es höchstens in Nationalparks ein geregeltes Wandernetzwerk und niemand kümmert sich wirklich um die Wege außerhalb der Parks, genauso wie es keine Radwege gibt.

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