In Südamerika

Unser Reiseblog

Autor: Nica (Seite 1 von 4)

Falls jemand noch auf unsere Webseite schaut, will ich kurz erwähnen, dass ich noch die fehlenden Blogbeiträge hochladen werde in dem nächsten Tagen, da sie sowieso schon teilweise fertig sind. Mein Vollständigkeitszwang erfordert das.

Und da viele gefragt haben, was ich jetzt eigentlich so mache, eine kurze Info dazu. Ich habe glücklicherweise innerhalb von wenigen Tagen eine supertolle Au Pair Familie in Santiago gefunden und bin dort untergekommen. Die Mutter ist Deutsche und der Vater Chilene, beide sprechen deutsch und mein Job ist es, ein bisschen mit den beiden Mädels (1 J. und 5 J.) zu helfen und der älteren die deutsche Sprache näher zu bringen. Nebenher suche ich nach einem Käufer für unseren Van und organisiere meine fernere Zukunft. Ich werde vorraussichtlich Ende Mai zurück nach Deutschland fliegen, dann ein zweimonatiges Praktikum an einer Schule für Kinder mit Hörschäden machen und im Oktober dann (hoffentlich in Heidelberg) anfangen zu studieren.

La Ruta de los siete lagos

Wie unsere Route nördlich von Puerto Montt verlaufen sollte haben wir lange überlegt. Das Ziel war klar, Santiago de Chile. Nur ob wir die Strecke in Chile oder Argentinien fahren würden, das war noch unklar. Denn das Seengebiet ist in beiden Ländern einzigartig schön, mit unzähligen größeren unď kleineren „Lagos“ und egal ob welche Richtung man schaute war ein Vulkan in der Nähe. Letztendlich haben wir uns für einen Kurzausflug nach Argentinen entschieden und sind die sogenannte „Straße der sieben Seen“ gefahren. Wie viele schöne Seen es wirklich waren, an denen wir vorbeigefahren sind kann ich nicht mehr sagen, aber definitiv mehr als sieben. Und etwa genauso viele Vulkane konnten wir sehen. Nach einem Blick in den Reiseführer war mir dann auch klar, dass das keinesfalls inaktive Vulkane waren; auch die Hinweisschilder über die Evakuationsroute bei einem Ausbruch an jeder Straßenecke haben das deutlich gemacht. Aber die Vulkane haben neben ihrem beeindruckenden Aussehen noch einen weiteren Vorteil: heiße Quellen überall! Und so haben wir uns mal wieder die Zeit genommen um in einer natürlichen Badewanne mitten im Grünen zu entspannen. Die Quellen, für die wir uns entschieden haben, waren quasi perfekt. Die drei Becken auf dem Campingplatzgelände, die in den vorbeifließenden Fluss mündeten, waren schön, aber leider auch belegt. Dann hat uns der Besitzer noch ein einzelnes Becken ein Stück weiter den Hang hoch gezeigt, in der Nähe des Parkplatzes. Und nach 50m Trampelpfad haben wir das kleine abseitsgelegene Becken erreicht, festgestellt, dass niemand dort ist und beschlossen, dass das dann ab sofort unseres ist. Wir konnten sogar den Computer mitnehmen und Filme schauen, während wir unter dem Sternenhimmel im heißen Wasser entspannten.

 

Viele Fähren

Chile ist unterhalb von Puerto Montt durch die vielen Fjorde so zerstückelt, dass man um weiter in den Norden/Süden zu kommen entweder eine Fähre braucht oder nach Argentinien kreuzen muss. Wir haben uns für die Fähren entschieden, und bis auf eine lange 5-stunden Fähre brauchen die meisten Fähren nur etwa eine halbe Stunde. Die letzte verband das Festland mit der Insel Chiloé durch einen relativ schmalen Wasserkanal, in dem durch die ablaufende Flut eine richtig heftige Strömung entstanden ist. Also ist ist Fähre mit voller Kraft quer im Wasser gestanden um nicht abzutreiben und musste mehrfach neu anlegen, weil sie doch zu weit abgerutscht ist. Auf der Insel angekommen haben wir uns dann einen schönen Schlafplatz an einem riesigen abgelegenen Strand gesucht und den Sonnenuntergang angeschaut.

Am nächsten Tag sind wir ein paar Buchten weiter gefahren zu einem Strand, an dem man Humboldt- und Magellanpinguine sehen kann, die dort einzigartig auf der Welt zusammen leben. Aber die Bootstouren fuhren für meinen Geschmack viel zu dicht an die Pinguine ran, deshalb haben wir uns dann dagegen entschieden und sie nur mit den Fernglas vom Strand beobachtet. Wir sind danach quer über die Insel gefahren, Hügel rauf Hügel runter, bis in Chiloés Hauptstadt Castro. Dort gab es Sonntags einen großen Straßenmarkt, mit vielen Lamamützen, -schals, -pullis und -jacken. Aber da wir von anderen die Märkte in Peru und Ecuador empfohlen bekommen haben, haben wir dort nichts gekauft. Stattdessen haben wir noch die lila-gelbe Holzkirche angeschaut, die ein Unesco-Weltkulturerbe ist. Zwölf weitere der vielen Holzkirchen der Insel sind das ebenfalls, aber so viele Kirchen brauche ich dann persönlich nicht. Die Kirche in Castro war auch eine der größten und ist, wie es Gebäude aus Holz zu tun pflege, auch schon mehrfach komplett abgebrannt und neu gebaut worden.

Zurück auf dem Festland sind wir dann in Puerto Montt noch auf einen großen Fischmarkt gewesen. Das für mich viel interessantere als große Mengen toter Fisch und andere Meerestiere war am Ende des Markts zu finden. Dort, wo die Händler ihre nicht verkäuflichen Fischreste zur großen Freude von vielen Möwen entsorgen, leben nämlich auch einige gut genährte Robben. Die bekommen die Fischreste auch direkt ins Wasser geworfen und dann geht das Gerangel los. Obwohl mehr als genug für alle da ist versuchen sie, die Beute der anderen wegzuschnappen und übersehen dabei vollkommen den Fisch vor der eigenen Schnauze. Und einige todesmutigen Möwen probieren dann noch, den Fisch direkt vor den Robben wegzuziehen. Ein großes Spektakel, bei dem ich gerne meine Kamera gehabt hätte, um ordentliche Fotos machen zu können.

Parque Pumalin

Der Pumalin-Park war ursprünglich kein staatlicher Nationalpark, sondern das größte private Naturschutzgebiet Chiles mit einer Fläche so groß wie Hamburg und das Saarland zusammen. Ein US-Amerikaner hatte die Fläche in den 90ern gekauft um Abholzung der Wälder aufzuhalten und begonnen, die ursprüngliche Natur wiederaufzubauen. Im südlichen Teil davon ist Moritz zu einem Gletscher gewandert, im nördlichen Teil sind wir zusammen durch das dichte Grün zu einigen uralten und riesiges Alercen gelaufen. Diese Bäume haben einen Durchmesser von mehreren Metern und können 40 – 50m groß werden. Und sie können wahnsinnig alt werden; die älteste gefundene Alerce ist rund 3500 Jahre alt. Der Park schützt diese alten Bäume, die ausschließlich in den südlichen Anden. Außerdem kann man dort auch mit etwas Glück den Huemul, den Andenhirsch sehen, von denen einer praktischerweise direkt neben dem Hinweisschild posiert hat.

Im letzten Jahr ging die gesamte Fläche des Parks als Geschenk an den Staat und ist seit dem auch ein offizieller Nationalpark.

 

Endlich wieder Delfine

Wir haben ja schon in einem früheren Blogbeitrag unsere wenigen und leider unscharfen Fotos der beiden Delfine gepostet, die wir von der Fähre von Feuerland aus beobachten konnten. Das war wirklich toll sie springen zu sehen, aber leider ein sehr kurzes Vergnügen. Deshalb war ich umso glücklicher, als ich gelesen habe, dass gut möglich ist viele Delfine und Robben direkt an der Küste Chiles schwimmen zu sehen.

Also habe ich beschlossen, während Moritz mit Valentin und Felix wandern war, mich an einen schönen Platz mit Aussicht an der Küste in die Sonne zu setzten. Gesagt, getan. Und gewartet. Leider hatte ich Pech und war leicht frustriert, nachdem sich in den zwei Stunden warten leider gar nichts blicken ließ, obwohl es laut unserer App wohl ein perfekter Ort wäre um Delfine zu sehen.

Ein paar Tage später haben wir dann einem Schlafplatz am Strand gewählt, bei dem wir dann noch diverse andere (und hauptsächlich deutsche) Reisende getroffen haben. Und die machten mit wieder Hoffnung, denn an den Abenden zuvor sind jedes Mal Delfine aufgetaucht. Und so haben wir gespannt gewartet, bis die Sonne etwas tiefer stand und plötzlich habe ich die ersten Finnen auftauchen gesehen. Moritz ist dann bis ganz vor an die Wasserkante geklettert, wohingegen ich den Blick von den Felsen weiter hinten genossen habe. Die Delfine, es waren mindestens vier, sind fast eine Stunde lang direkt an der Küste auf- und abgetaucht. Und ganz zum Schluss sind sie noch gesprungen, wie eine Kür. Einmal die ganze Bucht entlang parallel zum Strand und nach jedem Sprung sind sie immer mit dem Bauch laut aufgeklatscht. Da hatten wir leider schon die Kamera weggepackt, aber es war beeindruckend das zu sehen. Und ich hatte endlich die Möglichkeit, Delfine den ganzen Abend beobachten zu können, während die Sonne langsam im Meer versunken ist.

Die Bildqualität ist durch die kleine Digicam leider größtenteils unterirdisch bei dem schlechtem Licht, aber dafür habe ich ein tolles Video machen können.

 

 

Feuer und Wasser

Die Straße, auf der wir dann ab Cochrane in den Norden gefahren sind, ist relativ bekannt. Die Carretera Austral gilt nämlich zu Recht als eine der landschaftlich schönsten Straßen der Welt. Und da sie nach und nach auch asphaltiert wird macht das Fahren gleich noch mehr Spaß. So sind wir dann in einem Rutsch nach Puerto Rio Tranquilo gefahren. Die Stadt liegt, wie der Name schon verrät, am Wasser, allerdings nicht nur am „ruhigen Fluss“ sondern auch am riesigen verzweigten Lago General Carrera, der zur Hälfte in Argentinien liegt und dort Lago Buenos Aires heißt. Spätestens ab dort wird die Carretera Austral unglaublich schön!

Auf dem Weg dahin haben wir noch kurz gestoppt, um den Wasserfall des strahlend blauen Rio Baker und dessen Zusammenlauf mit dem rot-bräunlichen Rio Nef zu bewundern. Solche Zusammentreffen unterschiedlich farbiger Flüsse ist in dieser Gegend sehr häufig. Mal trübes hellblaues Gletscherwasser, mal „Standard“-dunklblaues Flusswasser und mal rostbraunes Wasser aus den Moorgebieten. Auf jeden Fall immer ein schönes Naturschauspiel!

Als wir abends dann kurz vor Puerto Rio Tranquilo wieder eine Rauchwolke sahen, wussten wir, dass wir die Waldbrände wohl doch noch nicht hinter uns gelassen hatten. Es brannte relativ dicht bei der Straße und nahe der Stadt. Doch die Einheimischen meinten gelassen, es wäre gar kein Problem und alles unter Kontrolle. Ja ja, ist klar…

Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden um das zu machen, weshalb wir hauptsächlich in Rio Tranquilo gestoppt hatten: Die beeindruckenden und wunderschönen Marmorhöhlen im Lago General Carrera anschauen. Glücklicherweise haben wir durch die IOverlander App von anderen Reisenden den Tipp bekommen, nicht in der Stadt eine Boots- oder Kanutour zu buchen, sondern etwas außerhalb bei einem Campingplatz. Da haben wir nur die Hälfte gezahlt, wurden mit Neoprenanzügen ausgestattet und waren eine Gruppe von nur vier Leuten plus der Guide. Perfekt!

Wir sind etwa zwei Stunden mit dem Kanu übers Wasser gepaddelt und konnten ganz in Ruhe und von allen Blickwinkeln die Marmorhöhlen bestaunen. Und es hat sich echt gelohnt, so flexibel und unabhängig zu sein anstatt dicht gedrängt auf einer Bootstour. Die Oberfläche des Marmors war ganz rau und wir durften sogar durch manche Tunnel durchfahren. Ein bisschen Sorge hatten wir, da wir unser Auto oben an der Straße geparkt hatten und vom Wasser aus deutlich sahen, an wie vielen Stellen es am Berghang tatsächlich brannte. Vor uns tauchten die Löschhubschrauber im andauernden Wechsel die Wassersäcke in den See um die Flammen einzudämmen. Gelandet wurde nur kurz zum Tanken und das den ganzen Tag. Da mussten sie echt noch mal ranklotzen, um die Brände wieder unter Kontrolle zu kriegen. Aber so sind die Chilenen eben, wenn nicht gerade das eigene Haus in Flammen steht ist alles halb so dramatisch.

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