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Unser Reiseblog

Kategorie: Chile (Seite 2 von 2)

Asche in der Luft

Etwa 70 Kilometer vor der Grenze von Chile konnte man es sehen. Unser Weg führte über den Paso Roballo, einen minikleinen Grenzübergang mitten im Nirgendwo und wir hatten uns für diesen Grenzübertritt entschieden, weil er landschaftlich so schön und unberührt ist. Der Pass selbst liegt überhaupt nicht hoch und besteht aus zwei kleinen Häuschen mit jeh einem Grenzsoldaten ein paar Hühnern und zwei Hunden. Die Landschaft davor besteht aus vielen ausgetrockneten Seen, auf denen ich lachen rum gerannt bin wie ein kleines Kind und aus schroffem, vom Wasser geformtem Fels. Im Frühling müssen sich Sturzbäche durch die Landschaft fressen und die trockenen Rinnen im Sommer hinterlassen. Aber man konnte eben auch diese Dunstwand klar sehen, wie sie mitten in der Landschaft stand. Zuerst dachten Nicola und ich es sei Staub. Hier ist überall Staub und der Wind ist mit oft 80km/h gerade auf der argentinischen Seite ziemlich stark. Aber so hoch hatten wir den Staub noch nie gesehen. Es sah auch erst wie Nebel aus, aber so staubtrockenen war das schwer vorstellbar. Erst einige hundert Meter bevor wir in den Dunst eintauchten traf es mich. Rauch. Ein Waldbrand.

Von da an waren wir einige Zeit durchaus beunruhigt. Nirgends war Feuer zu sehen, der Rauch wurde nirgends dichter, aber der Geruch war eindeutig. Als wir über den Pass selbst fuhren hatten wir den Rauch hinter uns gelassen, aber die Straße führte wieder etwas nach Süden und irgendwann konnten wir die Berghänge die das Tal umgaben nicht mehr klar erkennen. Etwa dort liegt ein privater Park, der Parque Patagonia, der als privater Park wohl ganz gut Geld und ein wirklich schön gemachtes Museum hat, das sowohl über Landschaft und Kultur Patagoniens, als auch über Naturschutz und Klimawandel schön aufbereitet informiert. Dort haben wir auch erfahren, dass es nahe Cochrane brennt, über 100 Kilometer entfernt von dem Punkt, an dem wir die Rauchwolke das erste mal gesehen hatten.

Als wir dann kurz vor der Stadt waren, haben wir die Waldbrände auch gesehen und die Feuerwehr wie sie mit Löschflugzeugen und Hubschraubern den Brand bekämpft haben und es ist erstaunlich wie viel angenehmer es ist, wenn man dann genau weiß, wo es brennt und man nicht mehr damit rechnen muss, hinter jeder Ecke vor dem Feuer zu stehen.

In Cochrane schien niemand echt beunruhigt zu sein, obwohl als mein Arm aus dem Fenster hing etwas Asche auf meiner Haut gelandet ist. Nur immer wieder mal, man hätte die kleinen weißen Pünktchen in der Luft für Insekten oder Blüten halten können, aber wenn man sie dann weg wischen wollte, hat man die Asche nur zerrieben.

Glücklicherweise wollten wir noch einen Abstecher nach Süden in die ungewöhnliche Stadt Tortel machen und kamen nach Cochrane schnell aus dem Rauch raus. Tortel ist deshalb besonders, weil es in der Stadt keine Autos gibt. Es gibt vorne einen Parkplatz und die restliche Stadt, alle Häuser und Wege, steht auf Holzpfählen und schmiegt sich an den Fjord. Die ganze Landschaft ist dort so eindeutig vom Eis geprägt wie ich es noch nirgends zuvor gesehen habe und obwohl das Wasser Verbindung zum Meer hat schmeckt es nicht arg salzig, weil so viel Wasser aus den Flüssen kommt und es dann noch um viele Ecken fließen muss, bis der Zugang zum offenen Meer kommt. In Tortel selbst gibt es dann nicht viel mehr außer die üblichen Gletscherbesichtigungen und Cabanas, aber die Stadt an sich anzuschauen hat sich gelohnt bevor wir weiter nach Norden wieder vorbei an Cochrane und dem Feuer gefahren sind.

Torres del Paine

Die Türme des Himmels. Wohl einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste Nationalpark Chiles. Drei riesige Felsnadeln, die über einem Felsmassiv aufragen und weithin zu erkennen sind. Jedenfalls von überall außer von Süden. Wir kamen natürlich von Süden und hatten den Blick auf die zackige Bergflanke an deren Fuß der Grey Gletscher in seinem Gletschersee endet. Im Nachhinein muss ich sagen: Das ist der deutlich bessere Blick. Wie die Wolken in dem zerklüfteten Berg voller Nadeln hängen ist wie gemalt.

Torres del Paine ist ein Touristenmagnet und für den mehrtägigen Rundwanderweg muss man die Campingplätze Monate im voraus buchen. Da wir aber ja sowieso nicht mehrtägig wandern war das für uns kein Problem. Der Blick von außen auf das Felsmassiv ist glaube ich das beeindruckendste und da gibt es viele kleine Wanderungen, die man vom Auto aus machen kann. An den Gletschersee mit einigen kleinen und größeren Eisbergen ging es recht flach, den Aussichtspunkt über den Park allerdings erreicht man über einen eineinhalb Kilometer langen Weg, auf dem man etwas mehr als 700 Höhenmeter macht. Schon unten am See konnte man sich vorsichtig gegen den Wind lehnen, auf dem Aussichtspunkt, zu dem ich dann alleine bin konnte ich mich mit meinem vollen Gewicht in den Wind legen ohne umzufallen. Ich glaube ich stand 20 Minuten einfach nur lachend da und habe das Gefühl zu Fliegen genossen. So etwas habe ich noch nie erlebt und kein Bild könnte das festhalten.

Zusammen mit dem Wind kommt das Wetter, so wechselhaft, dass wir Schneeregen und 25 Grad Sonne am selben Tag hatten. Um den Park gibt es nicht viel mehr Zivilisation als ein Dorf mit ein paar tausend Einwohnern und etwa genau so vielen Outdoorläden, Zeltverleihen und Restaurants. Dafür aber Bergseen und Gipfel und Täler als wäre man in den Alpen. Man vergisst dabei aber leicht, dass man sich fast auf Meereshöhe befindet und die höchsten Gipfel nur um die 2000 Meter haben. Die Anden sind hier noch nicht hoch sondern wachsen ganz langsam weiter auf unserem Weg nach Norden.

Abschied von Feuerland

Dies ist der letzte Beitrag zu der Insel tief im Süden, auf der wir insgesamt zehn Tage verbracht haben. Nachdem wir ganz im Norden auf chilenischem Gebiet gestartet sind und dann die argentinische und die chilenische Hälfte Feuerlands jeweils
bis ganz ans südliche Ende gefahren sind, hatten wir viel von der Vielfalt dieser Insel gesehen. Und so hieß es dann langsam die Weiterfahrt planen. Da wir nicht wieder den selben Weg zurück fahren wollten, haben wir diesmal die längere Fähre gewählt, die Feuerland im Westen verlässt und nach etwa zwei Stunden auf chilenisches Festland trifft. Vorher konnten wir noch dem Parque Pinguino Rey einen Besuch abstatten, auf dessen Gebietes sich etwa 30 Königspinguine niedergelassen haben. Ziemlich ungewohnt mitten im Grünen statt im Schnee oder auf Fels, aber mit einem kleinen Fluss neben dran und direktem Zugang zum Meer. Der Wind war dort wieder sehr stark, sogar so heftig, dass Fotos schießen ohne Auflage der Kamera nahezu unmöglich waren..

Auf der Fähre hatten wir dann das Glück beim Auslaufen aus dem Hafen zwei interessierte Delfine zu sehen, die ein paar Minuten lang mit der Fähre mitgeschwommen beziehungsweise gesprungen sind. Das war wirklich toll, ich habe das vorher von andern schon gehört und so darauf gehofft, dass wir auch welche sehen. Glück gehabt und ein schöner Abschied von Feuerland!

Zwei Seiten

Feuerland ist zwei geteilt. Einerseits in zwei Länder, andererseits in zwei Landschaften. Es gibt die ausgedehnte Pampa und eben die Berge, in denen es Wasser im Überfluss und unberührtes Grün gibt.

Um den Touristenströmen etwas zu entgehen sind wir über den unbefestigten der beiden Grenzübergänge auf Feuerland gefahren. Mitten im Nirgendwo an einem kleinen Fluss kommt da also auf der Kiesstraße dann eine Schranke. Im übrigen der erste Grenzübergang, der tatsächlich eine Schranke hat. Hier kann man nur in den Sommermonaten zwischen den Ländern wechseln weil er etwas südlicher als die Hauptstraße liegt, eben nicht befestigt ist und doch recht nahe an den Ausläufern der Anden liegt. Die Leute dort waren unglaublich nett und als wir uns in das große Buch, dass den Computer an den anderen Grenzen ersetzt eingetragen haben, konnte man auch sehen warum: Mehr als zwei Autos pro Tag kommen da nicht vorbei.

Nach der Grenze fährt man dann wieder durch so einen spooky Wald wie es die hauptsächlich auf der Insel gibt und dann haben wir noch auf der chilenischen Seite in einem kleinen Abstecher in die Berge gemacht. Hier trifft man dann kaum noch jemanden und es war wirklich hübsch überall, bis wir über den ersten Pass gefahren sind. Es hatte den Tag vorher geregnet und unser Auto war bis etwa einen Meter hoch mit einer ganz feinen und ganz gleichmäßigen Schicht grauem Schlamm bedeckt. Auf diesem Pass hatte man einen Ausblick wie ich ihn noch nie gesehen habe und es kommt leider nur wenig in den Fotos davon rüber. Ich bin ein paar Meter abseits der Straße gelaufen und hatte einen Ausblick in ein Tal in dem sich silbern ein kleiner Fluss in einem Moor geschlängelt hat. Darüber standen Schwarz die mächtigen Berge mit einem Harten weißen Kontrast aus Schnee an den Spitzen. Dort hätte ich Stunden sitzen können und nur in die Landschaft schauen.

Wir sind dann natürlich trotzdem noch weiter gefahren und haben am Abfluss des Lago Fagnano geschlafen. Auf unserer Karte auf der Nicola akribisch jeden unserer Schlafplätze markiert erkennt man, dass wir an beiden Enden des Sees geschlafen haben, allerdings kann man nicht von einem zum anderen Ende schauen.

Am Tag darauf haben wir dann auch hier das Ende der Straße erreicht, einkleiner Outpost am Wasser, die Gletscher darüber in den Bergen und ein alter rostiger Kessel, wie die hier an vielen stellen liegen. Von dort an machen wir uns auf den Weg von der Insel runter.

Unsere Testfahrt

Unser Auto ist gebaut und außer ein paar Kleinigkeiten sind wir startklar. Eine die dieser Kleinigkeiten ist leider noch unser „Padron“, das Dokument, dass uns als Eigentümer des Autos ausweist. Ohne das können wir höchstens nach Argentinien über die Grenze aber dann auch nicht weiter.

Allerdings ist es ja ganz sinnvoll sich nicht einfach so mit einem gebrauchten Auto ins Abenteuer zu stürzen. Wir sind von Donnerstag Mittag bis Samstag 90 Kilometer entfernt von Santiago zu einer heißen Quelle in den Bergen gefahren. Auf 3600m Höhe konnten wir unser Auto auf Herz und Nieren testen. Wir hatten vor alles zwischen Wind so stark, dass anderen die Zelte gebrochen sind und sternenklarer Nacht. Eisig kalt. Außerdem eine Lehmpiste mit mehr Schlaglöchern als Straße und Steigungen um 70%.

Santiago erstreckt sich mehr oder weniger bis in die berge hinein und plötzlich endet dann aber die Zivilisation. Wir sind an einem beeindruckenden Wasserfall vorbei gekommen und sind dann am Ende belohnt worden mit sechs naturbelassenen Becken durch die das Salzige Wasser fließt. Anfangs mit 60 Grad, für uns zu heiß, und im letzten Becken mit 35 Grad, für uns ganz ok. Wirklich raus kommen will man dann aber nicht mehr, denn der Wind ist frostig kalt..

Wir haben unsren Gaskocher und unsere Isolierung getestet und sind gerade zurück gekommen und rüsten den letzten Rest aus. Ein kleiner Kompressor (wir hatten ein problem mit dem Reifen), ein Tisch, etwas mehr kleine Taschen im Innenraum.

Wir sind aufgebrochen

Es war dann nochmal einiges stressig, chaotisch, durcheinander. Fast alles hat geklappt, manches nicht. Wir haben den ersten Flug erwischt, sind gut in Madrid gelandet und bald auf dem Weg über den großen Teich.

Es hat sich dann auch nochmal eher kurzfristig ergeben, dass Santiago de Chile ein besserer Ort ist um ein Auto zu bekommen, deshalb fliegen wir jetzt dort hin.

Bei allen, bei den wir uns jetzt nicht mehr persönlich verabschiedet haben, ihr seid nicht weniger wichtig, es war nur einfach ein bisschen viel in den letzten Wochen. Wir freuen uns jetzt schon euch alle in zehn Monaten wieder zu sehen.

 

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